… auch wenn ich’s bis heute wohl noch nicht hundertprozentig realisiert habe und wahrscheinlich auch nicht realisieren will, ist meine Zeit auf Nias nun auch schon seit drei Wochen vorbei (und selbst Indonesien werde ich in einer Woche wohl erst mal wieder verlassen muessen
– aber ehrlich gesagt traeume ich ja jetzt schon, bevor ich ueberhaupt zu Hause bin vom zurueckkommen… also wird sich da auch irgendeine Loesung finden)
… und was bleibt als Resumee?
- dass ich in Bezug auf meine Arbeit dort relativ froh war zu gehen… (vielleicht ist das aber auch normal, dass bei mir die Motivation wenn ich weiss, dass ich nur noch eine begrenzte Zeit da sein werde, langsam nachlaesst… und es mir noch schwerer faellt, mich mit voller Energie in ein Projekt reinzuhaengen und Perspektiven zu entwickeln, wenn ich mich regelmaessig nach der Zukunft fragen muss – wie wird das wohl sein, wenn ich dann nicht mehr da sein werde?! hat das alles ueberhaup Sinn gemacht?)
- dass ich in Bezug auf die Leute aber sehr traurig war zu gehen (sind 4 Monate, die ich Tag und Nacht mit den Menschen hier verbracht habe, doch eine lang genuge Zeit um enge Freundschaften zu entwickeln…)
- aber auf der anderen Seite weiss ich auch, dass ich nicht ganz so traurig sein muss (in 4 Monaten, die ich mit den Menschen hier zusammengelebt habe, in denen ich mit denen emotionale Hochs und Tiefs durchgemacht habe, habe ich auch gemerkt, wer mir wirklich wichtig ist… und bei denen habe ich im Gefuehl, dass ich sehr vieles dafuer tun werde, um die wiederzusehen und vertraue darauf, dass das dann auch irgendwie klappt… – immerhin habe ich Ika versprochen, dass ich wieder nach Indonesien zurueckkomme, wenn sie heiratet)
- dass ich ganz, ganz viel gelernt habe (sowohl ueber Sprache, Menschen, Leben hier und an sich, Freundschaften…)
- und deshalb auch zur eigenen Wissenschaft ein anderes Verhaeltnis entwickelt habe – da sind die Zweifel erst mal wieder gross!? … und ich frage mich, ob die Ethnologie nicht in vielen Faellen mit dem Anspruch, den sie an sich selber stellt, ueberfordert ist…
- dass ich die Zeit hier sehr genossen habe, die Offenheit der Menschen, die Freundlichkeit, dieses schnelle sich Aufgenommen und Akzeptiert fuehlen, dieses sich auf Augenhoehe begegnen koennen…
- dass ich gelernt habe, dass das allerwichtigste der Respekt ist, den ich meinem Gegenueber entgegenbringe, allein dadurch, dass ich versuche deren Sprache zu sprechen, mich auf sie einzulassen, fuer ihr Leben zu interessieren…
- dass aber ganz sicher auch ganz, ganz viele offene Fragen nach diesen 5 oder 6 Monaten in Indonesien bleiben werden… oder neue entstanden sind… – ob ich jetzt einen Schritt weiter bin, wird sich in der naechsten Zeit zeigen und haengt wohl davon ab, wie ich das verarbeiten und die Erfahrungen in meinen Alltag integrieren werde…
- dass ich auf jeden Fall nach Indonesien zurueck moechte, aber immer noch nicht so genau weiss, ob ich auch Nias wiedersehen moechte oder ob ich Angst vor der moeglichen Perspektivlosigkeit fuer die Insel habe…
- … und dass sich die Liste hier bestimmt mit der Zeit weiter erweitern wird… (mir aber gerade morgens um 7 nach einer Nacht im Bus von Banda Aceh nach Medan, in der ich nicht geschlafen habe, weil mein Gehirn selbstaendig denken und meine Zeit in Indonesien reflektieren wollte, nicht mehr allzu viel einfaellt
)
…und mit den meisten dieser Gedanken im Hinterkopf habe ich mich dann vor drei Wochen von Nias auf den „weiten Weg nach Hause“ aufgemacht… war zwar traurig, als wir zu vierzehnt am Hafen standen (nachdem kurz vorher noch nicht mal klar war, ob wir ueberhaupt hinkommen, weil keine Mopeds da waren… – aber so ist das nun mal in Indonesien… nochmal live… Faehre sollte laut Zeitplan um 7 ablegen, wir haben uns um kurz vor sieben auf den Weg gemacht, kamen um viertel nach am Hafen an, die Faehre fuhr dann um halb 10…) … da haette ich dann doch fast ein bisschen geweint… aber im Hinterkopf immer noch die Hoffnung und der Glaube, dass wir uns wieder sehen werden… und das Wissen, dass ich einige noch in Medan treffen werde…
… und irgendwo ganz versteckt auch der Gedanke daran, dass ich in einem Monat wieder in Deutschland sein werde und dann euch alle wieder sehen und in den Arm nehmen kann…
2 Kommentare
Dienstag, 20 März 2007 um 0:09
hey süße serena,
) , mal über skype von dir hören lassen – würd ich mich ganz arg drüber freuen!
ich wünsch dir ne gute heimreise; auf dass der abschied von indonesien nicht allzu schwer wird…
kannst ja dann, wenn du in deutschland „angekommen“ bist (also muss NICHT sofort sein, sortier dich erstmal
fühl dich von mir gedrückt.
gruß und kuss aus schweden:
martina
Mittwoch, 21 März 2007 um 11:00
Liebe Serena,
Freunde von mir betreiben in Medan eine kleine deutsche Sprachschule und suchen vertretungsweise für April noch eine muttersprachliche Person die hier aushilfsweise unterrichten koennte.
Kann man auf solchem Wege dein Visum vielleicht nochmal verlaengern lassen?
Liebe Gruesse,
Peter
Bremen
PeterGrasse@web.de